Faktencheck 3: Bedarf, Teil 2

Bereits im Faktencheck 2 konnte deutlich belegt werden, dass es überhaupt keinen örtlichen als auch regionalen Bedarf zur Errichtung eines Krematoriums inmitten eines Wohngebietes in Kolbermoor gibt.

Wenden wir uns also einer bundesweiten Betrachtung zu:

Bereits im Artikel „Der Kampf um die Asche“ der Süddeutschen Zeitung vom 19.05.2010 (auf SZ.de zu finden) wird festgestellt, dass schon damals „alle deutschen Krematorien zusammen bis zu 800.000 Leichname einäschern“ könnten; tatsächlich wurden nach dem Artikel in Deutschland nur etwa 400.000 Einäscherungen vorgenommen.

Trotzdem konnte schon damals ein Boom an Neugründungen von Krematorien festgestellt werden. Im Artikel der SZ wird die Zeitschrift Friedhofskultur zitiert, die schon damals mit Sorge in die Zukunft sah: „vielerorts sei es bereits zu einer „ungesunden, ja ruinöser Dichte an Krematorien“ gekommen.

Toni Hanfriede von der Arbeitsgemeinschaft der Krematorien in Deutschland wird von der SZ zitiert: „Die Marktsättigung haben wir schon 2005 erreicht.“

Schon vor Neun Jahren wird von einem ungesunden Wettbewerb unter den Krematorien berichtet, die offenbar in der Hauptsache durch den Preiskampf der privaten Krematorienbetreiber entstanden ist. Allerdings traf es auch private Betreiber: in Cottbus musste nach einem Jahr Betrieb ein privater Betreiber nach nur einem Jahr Betrieb Insolvenz anmelden.

Nach einem Artikel der „Welt“ vom 31.10.2018 (https://www.welt.de/regionales/nrw/article183030148/Feuerbestattungen-Zahl-der-Krematorien-steigt.html) wurden nach Schätzungen des Bundesverbandes der Deutschen Bestatter im Jahr 2017 64 Prozent der rund 930 000 Gestorbenen in Deutschland verbrannt.

Das sind dann 595.200 Einäscherungen/Jahr in Deutschland.

Schon 2010 hatten (siehe oben) die damals existierenden ca. 150 Krematorien eine Kapazität von 800.000 Einäscherungen.

Das ist bereits eine Überkapazität von 200.000 Einäscherungen in Deutschland.

Heute gibt es über 160 Krematorien in Deutschland. Außerdem gibt es Krematorien im grenznahen Ausland; etwa das Krematorium in Salzburg. Auf dessen Homepage wird darauf hingewiesen, dass dessen Einzugsgebiet auch Bayern ist.

Bayern liegt mit 22 Krematorien im bundesdeutschen Vergleich bereits auf Platz 2 aller Bundesländer, nur das westlich gelegene Baden-Württemberg hat 26 Krematorien.

Das bedeutet, dass die beiden südlichsten Bundesländer bereits die meisten Krematorien in Deutschland haben und damit eine deutliche Überkapazität zu erwarten sein müsste, da aufgrund der katholischeren Prägung des Südens von Deutschland mit weniger Einäscherungen als im protestantisch geprägten Norden und insbesondere in den Neuen Bundesländern zu rechnen ist.

Fakt ist also eindeutig:

Es gibt keinen überhaupt keinen Ansatz für einen Bedarf für ein Krematorium in Kolbermoor – weder örtlich, regional noch überregional.

Welchen Grund könnte also die EHG haben, ausgerechnet hier in Kolbermoor mitten in einem Wohngebiet unbedingt den Neubau eines Krematoriums trotz der möglichen Gesundheitlicher Belastungen der in Kolbermoor lebenden Menschen durchzusetzen?

Will man mit Dumpingpreisen regional / überregional (auch ins benachbarte Ausland hinein) den anderen, insbesondere kommunalen Krematorien einen ruinösen Konkurrenzkampf möglicherweise auf Kosten der Menschen von Kolbermoor liefern?

Der 1. Bürgermeister Peter Kloo ist der Bürgerinitiative bis dato immer noch eine Antwort auf die Frage nach dem Bedarf für ein Krematorium in Kolbermoor schuldig.

Wie soll er auch aus oben beschriebenen Gründen einen Bedarf ableiten?

Wir fragen Herrn Kloo:

Wieso vertraut der Bürgermeister nur auf die Aussage eines auf seine wirtschaftlichen Interessen bedachten Investors aus Traunstein, dass es einen Bedarf gäbe und riskiert damit möglicherweise billigend die Gesundheit von den Bürgern von Kolbermoor, für dessen Wohl er als Bürgermeister einstehen und sich verantwortlich zeigen müsste?