Am Sonntag wird in Kolbermoor Demokratie gelebt und gewählt.

Zunächst war es mir persönlich egal, ob in Kolbermoor ein Krematorium gebaut werden soll oder nicht. Der Stadtrat hat sicherlich bei seinen Überlegungen die gute Absicht gehabt und wollte durch seine Zustimmung, die Kosten für einen zu großen Friedhof minimieren, ihre gesellschaftliche Verantwortung über die Kommune heraus übernehmen.

Unterschätzt wurde, dass viele Mitbürger-/innen durch die Tabuisierung des Todes ein äußerst unangenehmes Gefühl haben, wenn in Wohnortnähe, in Taktzeiten kommerziell Leichen verbrannt werden. Es existieren bei den unmittel-

baren Anwohnern berechtigte Ängste, dass ihre Immobilie weniger wert werden könnte, berechtigte und/oder unberechtigte Ängste hinsichtlich ihrer Gesundheit und Umweltbelastungen. Als Nichtanwohner könnte ich nach dem Floriansprinzip leicht für das Krematorium stimmen. Doch ist das fair, wo doch alle anderen Gemeinden, im Bewusstsein über die auf sie zukommenden Emotionalitäten aus der Bevölkerung, ohne zu zögern, sofort dankend abgelehnt haben, zumal ein Krematorium am Ort nicht gerade eine kommunale Notwendigkeit darstellt. Die Sportanlage in unmittelbarer Nähe ist auch nicht unbedingt die pietätsvollste Nachbarschaft. Ein anderer pietätvoller Standort auf Kolbermoorer Stadtgebiet, in sinnvoller größerer Nähe zur Autobahn wurde bislang kategorisch abgelehnt.

Wir sind Kolbermoorer und als Kolbermoorer Bürger haben wir am Sonntag die Möglichkeit uns hinter unsere betroffenen und verängstigten Mitbürger-/innen zu stellen.

Selbst wenn wir für ein Krematorium oder noch unentschlossen sind, was verlieren wir, wenn wir mit „NEIN“ stimmen würden ? Wir verlieren nichts, wenn wir am Sonntag durch ein „NEIN“,  uns hinter unsere Mitbürger-/innen stellen und den Kolbermoorer Gemeinschaftssinn stärken. In jedem Fall gilt es das demokratische Ergebnis, das hoffentlich durch viele Wähler-/innen zu Stande kommt, am Sonntag zu respektieren.

Reiner Hellbach

Mein Kommentar wurde auch als Leserbrief an den Mangfallboten gesandt.