Am Freitag, den 20. September fuhren mehrere Mitglieder unserer Bürgerinitiative nach Traunstein ins Krematorium.

Begrüßt wurden wir von Herrn Engmann und seinem Sohn Ben und anschließend, da wir ca. 30 Personen waren, in zwei Gruppen aufgeteilt. Fragen konnten teilweise während der Führung, teilweise erst später im Konferenzraum gestellt werden.

Wir wurden durch die verschiedenen Abteilungen geführt und bekamen grundlegende Abläufe erklärt.

Unter anderem durften wir die Kühlkammer betreten, in der bei ca. 3 – 4 Grad die Toten in ihren Holzsärgen liegen.
Die Urnenwand verströmte einen unangenehmen Geruch, während in der Kühlkammer keinerlei Gerüche feststellbar waren.

Obwohl das Krematorium angeblich die Kapazitätsgrenze bzw. die Auslastung erreicht hat, bekamen wir die Auskunft, dass zur Zeit kein 3-Schicht-Betrieb stattfindet.
Generell bzw. theoretisch sind Einäscherungen dort von Montag bis Samstag zwischen 5 und 23 Uhr möglich. Sonntags dürfen keine Einäscherungen vorgenommen werden.

Prothesen werden, gemäß Aussage von Herrn Thomas Engmann, mittels Bolzenschneider und Akkuflex zerschnitten und klein gemacht und anschließend zusammen mit der Asche in der Aschekapsel verstaut. Angeblich hat dort alles problemlos zusammen Platz. Eine Aschekapsel hat ein Fassungsvermögen von ca. 3 Litern und ist in der Regel zu ca. 3/4 gefüllt.

Den Bolzenschneider ließen wir uns von den Mitarbeitern des Krematoriums zeigen, der sah allerdings nahezu unbenutzt aus.

Zum Schluss der Führung wurde uns ein ca. 10 Jahre alter Film mit schlechter Bildqualität gezeigt. Dort konnte man unter anderem zusehen, wie eine Leiche versorgt und angezogen wird.
Ästethisch war das nicht, denn der Tote war hager und ausgemergelt, hatte ein hohes Alter erreicht und der geöffnete Mund war zu sehen. Dazu der Kommentar: „der Tote bekommt einen Einsatz aus Pappmaché verpasst, damit der Mund besser aussieht!“ In der nächsten Sequenz war dann der vollere Mund zu sehen. Meiner Meinung nach wäre es besser gewesen, den Toten nicht so deutlich zu zeigen. Ein toter Körper ist meiner Ansicht nach selten ästhetisch anzuschauen, dazu sah man die Finger, in denen das Blut versackt war, in Nahaufnahme. Ich jedenfalls wollte meinen toten Körper nicht gefilmt wissen.

Zum Schluss merkte ich an, dass es unverständlich sei, ein Krematorium in den Kolbermoorer Friedhof bauen zu wollen, wo so viele alte Bäume für dieses Projekt gefällt werden müssten.
Herr Engmann antwortete daraufhin, wie ich darauf käme. Lediglich die Zufahrt zum Krematorium müsse frei sein und die Bäume dort gefällt werden.
Einige Minuten später trat die nächste Widersprüchlichkeit auf. Da hieß es nämlich auf einmal, „ein Baumgürtel“ könne stehen bleiben. Mein Versuch, Herrn Engmann festzunageln, nämlich eine detaillierte Auskunft zu bekommen, schlug fehl. Seine Antwort: „da brauchen wir nicht zu diskutieren, Sie sind sowieso anderer Meinung als ich!“ und dann: „Sie haben den Entwurf gesehen. Ich weiß nicht, wieviele Bäume stehenbleiben werden. So im Detail steht der Plan noch nicht fest! Aber es steht Ihnen frei, am 20. Oktober gegen das Krematorium zu stimmen!“

Und genau das werde ich auch tun.
Ich möchte den Kolbermoorer Friedhof in seiner ursprünglichen und natürlichen Form enthalten wissen, möchte mich weiterhin an den dort lebenden Tieren erfreuen und diese schöne Natur nicht für ein völlig sinnloses Krematorium opfern!

Es wurde heute wieder mehr als deutlich, dass hier lediglich finanzielle Interessen im Vordergrund stehen.
Ich werde den Bau dieses Krematoriums mit aller Macht bis zur letzten Minute versuchen zu verhindern.