Meine unsachliche emotionale Meinung

Als Kolbermoorerin in 3. Generation, immer schon wohnhaft in Kolbermoor, aufgewachsen in -Süd u. im Eigenheim niedergelassen in unmittelbarer Nähe zum geplanten Krematorium (ca. 100 m Luftlinie) will ich meine Meinung zum Bauprojekt darlegen.
Ich arbeite seit über 21 J. als exam. Pflegefachkraft in einer kath. Einrichtung. Der Tod und der Umgang mit Verstorbenen ist fast „alltäglich“ für mich. In meinen Aufgabenbereich fällt auch die Begleitung sterbender Menschen, Verstorbene zu waschen, anzukleiden u. aufzubahren. Ich glaube daher sehr wohl zu wissen, was pietätvoller u. pietätloser Umgang ist. Natürlich gehört der Tod zum Leben. Die Geburt u. der daraus resultierende Tod sind das Elementarste was dem körperl. Dasein unterliegt. – Also kein Grund für den Bau eines Krematoriums.
Auch der Satz „Kinder müssen den Umgang mit dem Tod lernen“ ist in meinen Augen sinnfrei. Mein 9 jähriger Sohn hat in kürzester Zeit 2 geliebte Opas u. eine Uroma mit uns zu Grabe getragen. Inwiefern hätte ihm der Bau eines Krematoriums bei der Verarbeitung dieser Verluste hilfreich sein können?
Im übrigen habe ich vor einigen Jahren auch das Krematorium in TS besucht. Meine Erinnerung daran deckt sich leider mit den Ausführungen von Hr. Zirngast auf der Demo. (Wir sind nicht mit einem dicken Bonzenauto vorgefahren, sondern nahmen zu Fuß teil).

Wenn wir jetzt aus dem 1. Stock des Kinderzimmerfensters, vom Schlafzimmerbalkon oder aus den Fenstern des 2. Stocks schauen, sehen wir die Bepflanzung um den „Neuen Friedhof“ herum. In Zukunft soll dort eine riesige Totenverbrennungsmaschinerie liegen? Der Architekt hat auf der Infoveranstaltung am 25.6. gesagt, dass das Gebäude nicht zu sehen sein wird u. kurz darauf wurde erläutert, dass der Schornstein mind. 10 m in den Himmel ragt. Die Bepflanzung, die ja offensichtlich auch weichen muss, weil sich das eingekreiste Areal auf den vorgestellten Folien über die Grenzen des jetzigen Friedhofareals erstreckt, könnte uns also die „tolle“ Aussicht nicht mehr versperren. Hinzu kommt, dass die Umgebung sehr hellhörig ist. Wenn sich Jugendliche Nachts am Skaterplatz treffen, kann man oft jedes Wort u. jedes Abfahren der Rampe sehr laut hören. Das stört uns nicht. Was uns stört, ist dass uns in Zukunft die lauten Kühlaggregate Tag u. Nacht an den Tod erinnern sollen. Natürlich auch die Leichenwägen.
Zudem kommt, dass mein Elternhaus (mein Erbe) in der Jahnstr. in dem meine Mutter, meine Schwester mit ihrer Familie u. meine Oma wohnen gleichermaßen von der neuen Aussicht in Mitleidenschaft gezogen würden. Von der Wertminderung beider Häuser ganz abgesehen.
Seit vom Bauvorhaben in den Medien berichtet wurde, bin ich hin- u. hergerissen zwischen völligem Entsetzen u. ungläubigem, morbidem Grusel.
Am Anfang der Infoveranstaltung hat der Bürgermeister zu einer sachlichen, nicht emotionalen Diskussion aufgerufen. In Internetvideos sprach er von einem sensiblem Thema u. vom Floriansprinzip. Als Gegnerin des geplanten „Wahnsinns“ fühle ich mich verspottet, als Polemikerin beschimpft , mit wahnwitzigen Vergleichen konfrontiert und ein zweites Mal in vorwurfsvoller Weise mit dem Floriansprinzip belästigt .
Der Umgang mit den um den Friedhof wohnenden Leuten ist unmoralisch u. pietätlos.
Den einzigen Lichtblick, den ich in dem ganzen Elend jetzt noch sehe, ist das bevorstehende Ratsbegehren. Hoffentlich ist meine Resilienz bis dahin ausreichend um mit diesem „Albtraum“ umgehen zu können.
Ein riesiges Dankeschön an die BIK. Die Arbeit, die Kosten u. die investierte Zeit müssen enorm sein. Danke auch im „voraus“ an meine Kolbermoorer Verwandten, Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen u. Bekannten für Eure Solidarität!