Der Leserbrief des Herrn Mairoll vom 6.8.19 liest sich wie ein Empfehlungschreiben der Firma FBSO (Krematoriumsbetreiber).

Dies Bedarf einiger Richtigstellungen:

Der Besuch der Traunsteiner Anlage tagsüber, ist wie ein Abgastest von VW. Bei 7000 Verbrennungen jährlich wird auch Nachts verbrannt. Es ist doch ein leichtes handhabbare Fälle tagsüber, und Problemfälle nachts zu planen. Keiner riecht was, keiner sieht was, und dann dröhnen die Kühlanlagen und es riecht süßlich. In Traunstein weiter weg vom Wohngebiet, in Kolbermoor mitten drin.

Der Störfall wird die Regel! Die deutsche Energiewirtschaft geht von massiven Spannungsschwankungen im deutschen Stromnetz, nach Abschaltung der Kernkraftwerke 2022, aus. Der Störfall wird damit zur Regel. Dann geht die Anlage in den Sicherheitsmodus, d.h. ungefilterter Abbrand! Das Notstromaggregat (besser Kleinkraftwerk), soll ja übernehmen, kommt dann aber mit Emissionen und Lärm noch zur Gesamtbelastung durch die Anlage dazu. Bis zur Übernahme, ist aber sicherlich die Giftwolke draußen.

Feinststäube und Quecksilber. Die zitierten Zementwerke und Kohlekraftwerke stehen nicht in Wohngebieten. Die WHO lässt für Feinstäube keinerlei Maximalwert zu. Null Emissionen in Wohngebieten verstehen sich wohl von selbst.

7000 Verbrennungen haben wirklich industriellen Charakter – und das Tür an Tür mit Lebensmittelhandel (Aldi) und Wohngebiet. Abseits jeglicher gesundheitlicher Diskussion,würde doch niemand neben einer Südbayrischen Leichen-Großverbrennungsanlage leben wollen. Nicht umsonst sucht der Betreiber FBSO, seit eineinhalb Jahren in ganz Südostbayern, vergeblich einen Standort. Überall wurde abgelehnt, aber Kolbermoors Bürgern, gesegnet mit B 15 Neu im Osten, und möglicher Brenner-Bahntrasse im Westen, soll diese Großanlage, mitten im Ort, zugemutet werden.

Das Argument „Krematorium nicht im Stadtgebiet“ hat folgenden Hintergrund. Jede Deponie, ein Klärwerk, Kompostieranlagen etc. werden weitab von Wohnräumen geplant. Warum nicht eine Großverbrennungsanlage, deren gesundheitliche Risiken weit größer sind, als bei den ersteren?

Zu dieser leidigen Diskussion kommt jetzt auch noch die Aufgabe des gesellschaftlichen Konsenses. Die bittere Enttäuschung über eine solche Politik wird noch dazu mit einer Polarisierung der Gesellschaft in der ehemals „dörflichen“ Stadt Kolbermoor bezahlt.

War´s das Wert?

Dave Corwin

Kolbermoor